[Tag 6] Prag – Burg, Dom, Karl und dann auch noch Kafka!

stveitsdom06. Juli 2015

Mein erster richtiger Tag in Prag begann damit, dass ich mir zunächst die Fahrkarten für die öffentlichen Verkehrsmittel gekauft habe. Preislich sind die Fahrkarten hier ähnlich günstig wie in Budapest. Für umgerechnet 4,20 € einen ganzen Tag lang zu fahren ist doch echt erschwinglich. Ausgestattet mit Wasser und etwas Proviant ging es los Richtung Prager Burg. Ein Teil wurde gefahren, der Rest des Weges gewandet. Bewegung schadet ja nie, zumal es am Morgen noch nicht ganz so heiß war…

Nach einer guten halben Stunde Fußmarsch bergauf, war ich dann angekommen und zeitgleich mit mir noch etliche weitere Reisegruppen, die allerdings wohl alle schon ihre Eintrittskarten gebucht hatten, denn mich erwartete keine Schlange an der Kasse. Allerdings wurde mir meine eigene Dämlichkeit an selbiger zum Verhängnis. Ich hatte mich im Vorfeld bereits darüber informiert, welches Ticket ich haben wollte, es gab nämlich mehrere Kombinationstickets aus verschiedenen Attraktionen, die man sich ansehen konnte. Mich interessierten allerdings nur die Prager Burg und der St. Veits Dom. Somit hätte ich mit Studentenausweis 125 CZK bezahlt. Den Studentenausweis zeigte ich dem freundlichen Mitarbeiter an der Kasse (Achtung Ironie) dann auch vorbildlich und bestellte mein Ticket. Er antwortete mir auf tschechisch. (Scheint hier so eine Macke von den Leuten zu sein. Ich spreche englisch und bekomme erst einmal eine Antwort in der Landessprache.) Nun ja, ich versuchte es dann noch einmal auf englisch, woraufhin der Mitarbeiter dann auch auf englisch antwortete und meinen Ausweis verlangte. Ich erklärte ihm, dass er meinen Studentenausweis doch bereits in der Hand hielt. (Gut, mein Studentenausweis ist gleichzeitig auch meine Kreditkarte, was zunächst verwirrt, obwohl alle Angaben auf der Rückseite enthalten sind…)  Hinter mir unterhielt sich ein Ehepaar auf deutsch darüber, ob ihr Behindertenausweis denn wohl anerkannt werden würde, der wäre nämlich noch nicht verlängert worden… Aber zurück zu meinem Ticket. Der Mitarbeiter wollte zusätzlich zu dem Studentenausweis auch noch meinen Personalausweis, um mein Alter zu überprüfen. Den hatte ich nach dem ganzen Desaster in Berlin allerdings in meiner Unterkunft gelassen, weil bevor ich hinterher am Flughafen ohne Personalausweis da stehe… Gut, aber es war kein Weiterkommen bei dem Mitarbeiter und er drückte auch kein Auge zu, sondern verlangte stattdessen stolze 250 CZK (also das Doppelte, umgerechnet ca. 9,20 €) von mir. Soll er haben. Die habe ich dann aber ganz entspannt mit Kreditkarte bezahlt (obwohl ich Bargeld gehabt hätte) UND habe mir eine Quittung ausstellen lassen. Extra!!!! Während er vor sich hinschrieb (handschriftlich), habe ich ihm erzählt, dass ich den Eintritt dann bestimmt von meiner Uni erstattet kriegen würde… Stimmte zwar nicht, war mir aber egal, ich war ein bisschen wütend. Aber der Hammer kam dann als er natüüüürlich den abgelaufenen Behindertenausweis durchgehen ließ… Nun ja, ich startete dann ganz entspannt meine Tour. Erstmal zu besagtem St. Veits Dom, der mich äußerlich aufgrund seiner beiden Türme sofort an den Kölner Dom erinnert hat. Die Kathedrale des Erzbistums Prag ist zugleich auch das größte Kirchengebäude Tschechiens und wirklich gewaltig. Man kommt sich richtig klein vor. Von innen ist die Kirche nicht minder beeindruckend. Die Orgel ertönte und erfreute die zahlreichen Besucher mit ihren Klängen.
aussichtpragerburgAnschließend habe ich die Aussicht von der Prager Burg aus auf die Stadtkulisse genossen. Und dafür hat sich der Weg wirklich gelohnt. Man hatte einen wunderschönen Blick auf die Prager Altstadt und die zahlreichen Brücken der Stadt. Entlang der Burg verlief dann auch wieder ein Berg hinunter in eben jene Altstadt. (Es wird mir wohl für immer unbegreiflich sein, wie es manche Menschen tatsächlich schaffen, steil bergauf Fahrrad zu fahren. Als wäre dies das Einfachste der Welt… noch dazu bei 36° Grad im Schatten… Da stehe ich daneben und staune einfach nur.) Statt mit dem Fahrrad bergauf, ging es für mich lieber bergab Richtung Karlsbrücke. Doch zuvor machte ich noch Halt am Franz Kafka Museum. Für mich als Studentin der Literaturwissenschaft war das natürlich Pflichtprogramm, auch wenn ich zugeben muss, dass ich noch nicht wirklich viele seine Werke gelesen habe. Dies wird dann demnächst nachgeholt! Das Museum lohnt sich, wenn man sich für Literatur und natürlich für das Leben sowie das Werk Kafkas an sich interessiert. Prag war im Prinzip der Mittelpunkt seines Schaffens und er ist sogar auf dem Neuen Jüdischen Friedhof begraben.
karlsbrückeVom Museum aus ging es dann aber endlich zur Karlsbrücke. Die Brücke verbindet die Altstadt von Prag mit der sogenannten Kleinseite Prags. Von hier aus hat man einen wunderbaren Blick auf die Moldau sowie noch einmal auf die Prager Burg und den Dom. Über die Karlsbrücke gelangte ich dann in die Altstadt, die sogar UNESCO Weltkulturerbe ist. Sie bietet neben zahlreichen Bars, Restaurants und Geschäften auch mehrere Kunstgalerien. Wenn man sich also für zeitgenössische und moderne Kunst interessiert, sollte man hier unbedingt ein bisschen herum schlendern.
Mich zog es zunächst aber ins Hard Rock Café. Nachdem ich in Budapest auf der Außenterrasse nicht bedient wurde, fragte ich hier in Prag erst einmal höflich nach, bevor ich mich setzte. Die Bedienung schaute mich verwundert an und ich musste ihr die Geschichte erzählen. Es ergab sich also ein nettes Gespräch und Helena, so hieß die Bedienung, gab mir sogar noch ein paar Tipps für Stockholm. Sie war ganz fasziniert, dass ich so lange in so vielen Städten herum reisen werde. Somit hatte ich also mein Mittagessen in der Sonne. (Über den Preis für dieses Mittagessen lieber kein Wort verlieren… You only live once… Man lebt nur einmal…)

tanzendeshausNach dieser Pause, ging es für mich dann weiter, die Moldau entlang zum Tanzenden Haus. Das ist ein Bürogebäude, auf dem sich ganz oben in der 7. Etage noch eine Aussichtsplattform befindet bzw. dort befindet sich ein Café und wenn man dort, so wie ich, einfach etwas trinkt, dann kommt man in den Genuss des wunderbaren Ausblicks. Der Espresso hat sich also gleich doppelt gelohnt: Dafür, mich wieder aufzufrischen und für die Aussicht!

Eigentlich wollte ich danach noch zum Alten Jüdischen Friedhof, allerdings hatte dieser bereits geschlossen. Er ist Teil des und somit nicht frei zugänglich, wie ich zunächst gedacht hatte. Mal sehen, ob sich das morgen noch nachholen lassen wird.

 

Obwohl ich ja ein Ticket für die Bahn hatte, habe ich es doch wieder einmal vorgezogen, die Stadt einfach zu Fuß zu erkunden. Ich kann das eigentlich auch nur jedem empfehlen. Wenn das Wetter mitspielt, dann einfach loslaufen. Man kommt an so vielen interessanten Dingen vorbei, die auf keinem Stadtplan eingezeichnet sind und kann sie dann einfach selbst entdecken.